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Lottas kriminelle Vergangenheit

Erst gestern habe ich eine Situation im Supermarkt mitbekommen. Eine ältere Dame spricht zwei Kinder an: “Ich dachte ihr seid im Urlaub. Was macht ihr hier?” Die Antwort des Jungen (sichtlich genervt): “Das Visum meiner Schwester ist abgelaufen. Wir können nicht weg!” In einer anderen Situation wurde der 12-jährigen Tochter einer Familie die Einreise am Flughafen verwehrt, da ihr Visum abgelaufen war. Die Tochter musste 3 (!!!) Monate bei ihren Großeltern in den USA warten bis sie wieder einreisen durfte.

Geschichten dieser Art gibt es zwar nicht erst seit Kurzem, kommen aber nun immer häufiger vor. Der Grund ist, dass sich seit dem 1. Juni 2015 die Einreisebestimmung für Südafrika geändert haben. Aber auch das Reisen mit Kindern innerhalb des Landes erfordert diverse Dokumente, z.B. muss man nicht nur ein Ausweisdokument für das Kind mit sich führen, sondern auch eine Geburtsurkunde, die beide Elternpaare ausweist („unabridged birth certificate“). Bisher wurde hier hauptsächlich eine “abridged” Version der Urkunde ausgestellt, die meistens lediglich den Vater des Kindes enthielt. Zum Glück wurde für Lotta im Krankenhaus sofort das richtige Dokument ausgestellt. Dennoch war Lotta bis gestern quasi illegal im Land, da sie kein Visum besass. Hätten wir mit Lotta aus irgendeinem Grund das Land verlassen müssen, hätte sie für mindestens ein Jahr nicht wieder einreisen dürfen. Und einen Notfallservice, der ein vorläufiges Visum erstellen kann oder ähnliches gibt es hier einfach nicht. Den Pass haben wir nun schon seit einigen Wochen. Das ganze wäre sogar schneller gegangen, wenn ich damit gerechnet hätte, dass die deutsche Botschaft hier nicht nur an den südafrikanischen sondern auch an den deutschen Feiertagen geschlossen hat. Margitta und ich standen quasi vor verschlossener Tür. Das Visum stellte sich als etwas schwieriger heraus. Zunächst einmal ist die Behörde, die dafür zuständig ist, Home Affairs, wohl kein besonders schöner Ort, den man mit einem Neugeborenen definitiv meiden sollte. Die KPMG hat uns daher einen Termin bei einer Agentur gemacht, die das Visum für uns beantragen sollte. Die dazugehörigen Papiere wurden ebenfalls zusammen mit KPMG ausgestellt. Als wir dann bei der Agentur ankamen, hiess es, wir hätten die falschen Papiere dabei. Nach einem ewigen Hin- und Her mit KPMG, wurden weitere Papiere geschickt und unterschrieben. Hier hatten wir Glück. Normalerweise ist das Pech und du darfst auf einen nächsten Termin hoffen und warten.

Allerdings rief uns schon einen Tag später eine aufgebrachte Mitarbeiterin von KPMG an, dass die Papiere nun falsch seien, die wir eingereicht hatten. Also wieder warten… Der Antrag lag mittlerweile bei der Behörde. Auskunft geben konnte uns da nicht wirklich jemand. Zum Glück aber erhielten wir dann vor 2 Wochen die Nachricht, dass es wohl doch die richtigen Papiere gewesen sind und seit gestern haben wir nun endlich Lottas Visum.

Bei dem Foto bekommt man natürlich gleich den Eindruck es mit einer Kriminellen zu tun zu haben ;-)

Bei dem Foto bekommt man natürlich gleich den Eindruck es mit einer Kriminellen zu tun zu haben 😉

Jetzt könnte man sagen, warum denn die Panik… Alles halb so wild. Naja, seit dem 1. Juni haben sich nicht nur die Bestimmungen geändert, sondern auch die Kontrollen entsprechend erhöht. Gerade auf den Autobahnen wird man ständig angehalten. Wenn man nicht alle Papiere dabei hat, kann man sich evtl. mit einer kleinen Spende an den Polizisten aus der Sache herausziehen, aber bei fehlenden Papieren bei Kindern, werden da wohl wenig Ausnahmen gemacht und man hat ordentlich Ärger an der Backe. Dabei sind die neuen Regelungen für EU-Bürger noch harmlos. Viel schlimmer ist es für z.B. Asiaten, die jetzt Südafrika als Reiseland schon meiden. Eine Freundin, die ein B&B betreibt, erzählt schon davon, dass viele B&Bs in Johannesburg wenige Gäste haben und viele Absagen bekommen haben. Mehr als schade für dieses Land!

Um eine Enttäuschung am Flughafen zu vermeiden, sollten daher alle unsere Besucher daran denken für Kinder bis 18 Jahre eine Übersetzung der deutschen Geburtsurkunde mit sich zu führen. Weitere Informationen gibt es beim Auswärtigen Amt.