SOWETO – eine moderne Stadt hautnah

Über die Einwohnerzahl Johannesburgs lässt sich anscheinen streiten. Zwischen 4 Mio. und 11 Mio. Einwohner leben hier, heißt es. Wahrscheinlich sind es eher um die 4 Mio. Davon leben allein 2 Mio. in SOWETO auf einem 16-tel der Fläche vom Großraum Johannesburg. Aber das heißt nicht, dass die Menschen hier gedrungen leben. Es gibt recht viel Platz und einiges an Grünflächen. Man sieht alles von Fastfood-Ketten, dem lokalen Bauhaus, netten Restaurants und Cafés bis hin zu Villen, aber natürlich auch Wellblechhütten. Sogar 2 Golfplätze gibt es hier.

Viele der Einwohner SOWETOs  bleiben Ihrer Heimat treu. Die „Black Diamonds“, so werden die Schwarzen genannt, die es in die Mittelschicht geschafft haben, bauen sich dort größere Häuser und Villen und bleiben so nah an Ihren Freunden und Familien. Nicht selten sieht man hier auch teure Autos herum fahren. Dennoch sind etwa 40% der Erwachsenen arbeitslos, wobei jeder trotzdem eine Funktion in der Gemeinschaft übernimmt. Die Kinder gehen fast ausnahmslos in die Schule. Auch eine Universität gibt es hier, an der immerhin 15.000 Studenten studieren. Zudem befindet sich hier das größte Krankenhaus der südlichen Hemisphäre mit z.B. 20.000 Geburten im Jahr. Die Ärzte sind sehr gut und die Ausstattung wohl besser als man vermutet, allerdings mangelt es an der Kapazität. Man bräuchte hier eher 3 dieser Krankenhäuser.

Entstanden ist SOWETO zur Zeit des Goldabbaus. Nachdem 1886 eine der größten Goldadern der Welt hier entdeckt wurde, lebten die Mienenarbeiter zunächst in zentraleren Bereichen der Stadt Johannesburg. Als allerdings 1904 die Pest ausbrach, haben die Weißen sehr schnell dafür gesorgt, dass die Schwarzen aus Ihrer Nähe entfernt wurden. Und so entstanden die Townships.

Um SOWETO kennenzulernen haben wir bei Karsten, einem ausgewanderten Deutschen, eine Privattour gebucht. Dies ist vor allem empfehlenswert, wenn man wie wir kleine Kinder hat und generell, weil man einfach viel mehr sieht, spontane Stops machen kann, und die Tour viel individueller gestaltet werden kann. Etwas wollen wir natürlich von der Tour berichten. Da wir aber kein Buch schreiben wollen und ihr die Tour unbedingt selber machen solltet, wenn ihr kommt, folgen nun kurze Beschreibungen der einzelnen Stops unserer Tour.

Stop 1: Soccer City
Das FNB Stadion, eines der größten Stadien weltweit mit einer Kapazität von 94.700 Besuchern, ist einem traditionellem Tonkrug nachempfunden, in dem man das lokale selbst gebraute Bier „Umquombothi“ gereicht bekommt. Die Sonnensegel symbolisieren daher auch den Schaum des Bieres, was besonders bei abendlicher Beleuchtung sichtbar wird. Dieses Stadion dürfte noch von der WM 2010 bekannt sein, denn hier gewann Spanien das Endspiel. Während viele der Stadien Südafrikas nicht wirklich genutzt werden, brummt es in diesem Stadion 4-5 Mal im Monat. Zu sehen sind Rugby- und Fußballspiele, große Kirchenveranstaltungen und einiges mehr.
Der Ort des Stadions ist ebenfalls interessant. Im alten, wesentlich kleineren Stadion, hat Mandela hier kurz nach seiner Freilassung die schwarze Bevölkerung eben nicht wie von vielen erwartet zu den Waffen gerufen, sondern sich für den Frieden ausgesprochen.

Soccer City: Das 6. größte Stadium der Welt

Soccer City: Das 6. größte Stadium der Welt

Stop 2: Die Orlandotower
Einst wurde an dieser Stelle Strom für den reichen Norden produziert. Heute hat man es hier eher auf die „Adrenalin-Produktion“ abgesehen. Denn zwischen den beiden Kühltürmen ist ein Steg von dem aus man einen Bungee-Sprung in die Tiefe wagen kann. In einem der Türme wird es allerdings noch aufregender! Hier kann man einen 70m hohen komplett freien Fall in ein Netz Wagen. Angeblich der höchste weltweit. Wem danach nicht schlecht ist, der kann unterhalb der Türme in einer der coolsten Bars Johannesburgs, dem Chaf Pozi, essen, trinken und tanzen. Auch hier hat übrigens die FNB etwas Geld gesponsert und den Anstrich der Tower finanziert.

Leo erkundigt die Umgebung der Orlandotower

Leo erkundigt die Umgebung der Orlandotower

Stop 3: Die Vilakazi-Street
Diese Strasse ist wohl eine der berühmtesten Straßen Johannesburgs. Nicht zuletzt haben hier zwei Friedensnobelpreisträger gelebt. Während das Tutu-Haus noch von Desmond Tutus Familie bewohnt wird, der mittlerweile in Kapstadt lebt, ist das Mandela-Haus als Museum umgebaut und für Touristen offen. Hierher ist Mandela auch zunächst nach seiner Freilassung zurückgekehrt.
Auf der Straße herrscht normalerweise sehr reges Treiben. Es gibt viele Strassenstände, Künstler aber auch sehr gute Restaurants und Cafés. Im Sakhumzi bekommt man, so heißt es, das beste authentisch afrikanische Essen der Stadt.

Das Mandela House auf der Vilakazi Street

Das Mandela House auf der Vilakazi Street

Stop 4: Hector Pieterson Memorial
Am Hector Pieterson Memorial wird an den Aufstand der Schüler SOWETOs gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache vom 16. Juni 1976 erinnert, der für viele dieser Schüler tödlich endete. Über die Zahl der Toten wird spekuliert – zwischen 100 und 800 sollen es gewesen sein. Von einem Fotografen festgehalten wurde das Bild vom sterbenden 13-jährigem Hector Pieterson, dem wohl berühmtesten Opfer des Aufstands. Auf dem Bild zu sehen ist seine Schwester Antoinette „Tiny“ und der 18-jährige Mbuyisa Makhubo, der versuchte Hector zu retten. Nach diesem Foto wurde er nie wieder lebendig gesehen. Tiny hingegen arbeitet noch heute in der Gedenkstätte ihres Bruders und man kann somit einen lebenden Zeitzeugen treffen.

Leo vorm berühmten Foto von Hector Pieterson

Leo vorm berühmten Foto von Hector Pieterson

Stop 5: Besuch einer Familie
Zu guter letzt haben wir eine Community in SOWETO besucht. Eine kleine, sehr saubere Ansammlung von Wellblechhütten mit einem steinernen Wohnhaus in der Mitte. Es gibt eine Toilette mit fließend Wasser, die sich alle teilen. Strom gibt es auch. Hier leben einige Familien mit ihren Kindern. Wir besuchen diese, um Ihnen einige Süßigkeiten, Getränke, Spielsachen und Kleidung zu bringen. Die ca. 20 Kinder haben sich entsprechend sehr gefreut uns zu sehen und Leo gleich in Ihre Arme geschlossen. Zu Bewundern ist der Zusammenhalt und das Miteinander dieser kleinen Gemeinde. So gab es um die unterschiedlichen Spielsachen und Mitbringsel zumindest vor uns keinen Streit. Als Gegenleistung haben die Kinder für uns die Nationalhymne gesungen.

Leo und seine neuen kleinen Freunde in SOWETO

Leo und seine neuen kleinen Freunde in SOWETO

Man sollte SOWETO gesehen und erlebt haben. Für uns war es sicher nicht der letzte Ausflug hierher, dafür gibt es zu viel zu sehen und zu erleben. Und es ist vor allem sicherer als sein Ruf – es ist kein Ghetto, es ist eine moderne Stadt. Natürlich muss man auch hier aufpassen! Aber wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt und alle Menschen, die wir getroffen haben, waren sehr sehr freundlich.

Karsten bietet auch neben der Einführungstour, die wir gemacht haben, weitere Touren, wie z.B. eine Kneipen- oder Kirchentour an. Man kann aber auch mit ihm eine Runde Golf spielen gehen oder den Bungee Sprung wagen. Auch Spezialwünsche kann man äußern. Wenn ihr uns also besuchen kommt, seid ihr bei ihm in besten Händen, um SOWETO zu erkunden. Gerne stellen wir den Kontakt her oder organisieren Euch eine Tour.

Advertisements

Ein Gedanke zu “SOWETO – eine moderne Stadt hautnah

  1. Ich muss schon sagen, ihr versteht es ausgezeichnet mit euren Erzählungen die Lust auf das Land Süd Afrika zu wecken und es ist jedes mal ein Genuss in eurem Blog zu lesen.
    Die Berichte sind nicht nur sehr interessant sondern auch lehrreich und man spürt förmlich eure Begeisterung für das Erlebte. Egal ob es die Safari oder die Stadtrundfahrt ist oder ob ihr einfach nur wieder etwas Neues entdeckt, vorgekostet oder ausprobiert habt.
    Im Reiseführer könnte es nicht besser stehen – im Gegenteil, dieser ist mitunter weitaus nüchterner verfasst.
    Natürlich gibt es auch etwas zum Schmunzeln, wenn ich da an eure Handwerker-Bilder denke ……….man darf nur nicht so genau hinschauen …..für uns Deutsche nicht geeignet …..
    Bei all diesen Einblicken wird ganz klar – es gibt wirklich vieeel zu sehen.
    Am meisten hat mich euer Stop 5 in einer Community in Soweto bewegt. Ich muss mir das Bild immer wieder anschauen.
    Gestaunt habe ich über die 20.000 Geburten in dem Krankenhaus, sehr beachtlich.
    Als Vergleich dazu: das Bürgerhospital in Frankfurt mit 3.000 Geburten im Jahr ist das geburtenstärkste Haus in ganz Hessen.
    Ich freu mich schon auf euren nächsten Eintrag ……
    LG Gogo
    PS: Über den Bungeesprung denke ich noch nach …

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s